In letzter Zeit habe ich auf Instagram und Facebook immer mal wieder erzählt, was für eine besondere Verbindung Mammina und ich haben und dass die kleine italienische Maus der Grund war, warum ich eine Ausbildung zur Verhaltenstherapeutin und Psychologin für Katzen gemacht habe. Einige von euch wollten mehr über die Geschichte meiner ehemaligen Straßenkatze erfahren und diese erzähle ich euch heute sehr, sehr gerne.

Ich hatte gerade meinen Job gekündigt, der mich innerlich ziemlich leer gesaugt hatte und zog zu meinem Mann (damals noch Freund) nach München. Ich arbeitete damals in der Modebranche und wusste, dass ich in der meist doch sehr oberflächlichen Branche nicht mehr arbeiten wollte. Ich bin ein Herzensmensch und muss mich mit etwas beschäftigen, was mich erfüllt. Was ich tun wollte, war mir noch nicht klar. Deshalb entschied ich, den Umzug zu nutzen und eine kleine Auszeit zu nehmen.

Puschi war zu dieser Zeit Einzelkatze, sein früherer Katzenkumpel war vor einiger Zeit verstorben. Um mir eine sinnvolle Beschäftigung während meiner Auszeit zu suchen, kam mir immer wieder der Gedanke, ein Pflegekätzchen aufzunehmen und Katzenpflegestelle zu werden. Ich recherchierte und machte mich auf die Suche nach vertrauensvollen Tierschutzorganisationen. Dann stieß ich auf eine Organisation, die mit dem Tierheim auf Sardinien (Italien) kooperiert. Wir traten in Verbindung und alles erschien mir super sympathisch. Unser Zuhause wurde nach seiner Tauglichkeit als Pflegestelle gecheckt und kurze Zeit später erhielten wir das “Go”. Zu uns sollten Katzen, die bereits auf der Straße gelebt hatten und später, auch in der Pflegestelle, unbedingt Freigang bekommen sollten.

Anhand von wenigen Bildern durften wir uns zwischen zwei Katzen entscheiden. Zum einen ein großer, hübscher, stattlicher, grauer Kater, zum anderen eine kleine, graue, schüchterne Kätzin. Da Puschi besser mit Katzenladies kann, fiel unsere Wahl auf die kleine Katze Namens Mammina. (edit *Ich bin gerade alleine beim Schreiben dieser Zeilen wieder ganz aufgeregt*)

Mamminas Vorgeschichte

Zu Mammina erfuhren wir, dass sie wohl jahrelang als Straßenkatze auf Sardinien gelebt hat. Auf Sardinien arbeitet eine liebe Tierschützerin aus Deutschland. Eines Tages saß Mammina mit ihren vier Kitten auf der Mauer zu ihrem Garten. (kluges Mäuschen!)

Natürlich nahm sich die Tierschützerin den Katzen an, päppelte sie auf und kümmerte sich um Tierarztbesuche (Kastration, Impfung etc.) und die spätere Vermittlung. Mammina lebte ein Jahr in ihrem Garten, ließ sich nicht anfassen, aber zeigte Interesse, indem sie Menschen beobachtete. Die Tierschützer sahen Potential in ihr und suchten nach einer passenden Pflegestelle. Und da kamen wir ins Spiel.

Mamminas große Reise

Wenige Wochen später war es dann so weit. Gegen Abend landete das Flugzeug aus Sardinien am Münchner Flughafen. Ich war soo aufgeregt. Was würde uns nun erwarten? Irgendwann erschien dann der nette Herr, der Flugpate für die adoptierten Hunde und für Mammina war, die widerum ganz ruhig in ihrer Transportbox saß und keinen Muchs von sich gab. Sie durfte als “Handgepäck” im Passagierraum mitfliegen. Nachdem die Formalien geklärt waren, ging es nun mit der kleinen Maus ins neue, eigentlich vorübergehende Zuhause.

Für Mammina war für die Eingewöhnungszeit das Wohnzimmer vorgesehen. Also stellten wir die Transportbox auf den Boden des Wohnzimmers und öffneten die Box. Heraus kam erst zögerlich und dann doch ziemlich schnell ein graues Kätzchen. Und schwups war sie auch schon weg. Sie hatte sich sofort hinter den TV-Schrank verkrochen und wollte diesen Abend auch nichts mehr von sich zeigen. Alles was ich erkannte, war, dass sie grau war.

Also ließen wir sie erstmal ankommen und verabschiedeten uns in die Nacht. Am nächsten Morgen war das Wohnzimmer verwüstet. Alle Gegenstände von der Fensterbank lagen am Boden, das Katzenstreu war im ganzen Zimmer verteilt und Hinterlassenschaften waren auf dem Sofa zu finden. Von Mammina war weit und breit nichts zu sehen. Ich entdeckte sie schließlich hinter dem Sofa. Dort hatte sie sich ihr Versteck ausgesucht. Fortan lebte sie nun in einem Spalt (den ich ihr etwas größer machte) zwischen Sofa und Hauswand.

Straßenkatze

Shadow, die damals noch nicht bei uns wohnte, sieht nach Mammina; Gut zu erkennen: das ramponierte Sofa und das mittlerweile fast frei geräumte Fensterbrett

Ich hoffte, dass sich Mamminas ängstliches Verhalten bald legen würde, aber so war es nicht. Sie war schon einige Tage bei uns, aber gesehen haben wir sie nie. Ich machte ihr ihren Platz etwas gemütlicher mit Decke & Co. stellte eines der Katzenklos aufs Sofa, wo sie gerne hinmachte und grübelte, wie man ihr helfen konnte.

Die kleine Italienerin traute sich nur abends heraus, wenn kein Mensch mehr im Wohnzimmer war und es dunkel wurde. Dann versteckten mein Mann und ich uns außen vor dem Wohnzimmerfenster und warteten ab, bis das kleine Kätzchen hervor kroch.

pflagekatze

Mein Gott sah diese Maus süß aus, als ich sie das erste mal so richtig sah! Wenn sie alleine war und uns nicht hörte, erkundete sie das Wohnzimmer und fraß ordentlich. Wenigstens darüber mussten wir uns keine Sorgen machen.

Der schönste Moment

Leider hatte ich mein Handy nicht parat, aber dieser Moment hat sich bei mir so eingeprägt, dass ich eigentlich auch kein Bild davon brauche. Ich lag abends auf dem Sofa und sah fern. Mammina war wie immer in ihrem Versteck. Plötzlich hörte ich ein Rascheln hinter dem Sofa. Bewegt sich die Maus etwa während ich da bin? Ich blickte gespannt auf und sah zwei Pfötchen auf der Sofalehne. Plötzlich reckte Mammina ihr Köpfchen hinter der Lehne hervor, um abzuchecken, wie die Lage ist. Wir sahen uns einen kurzen Moment an, bevor sie wieder verschwand. Dieses Bild werde ich mein Leben nicht vergessen.

Wie kann ich Mammina helfen?

Ich merkte, dass man Mammina helfen muss, weil sie sich von allein sehr schwer tat. Da das ganze Zimmer nach Katzenangst roch – ja das hat man wirklich gerochen – mied Puschi das Wohnzimmer komplett.

Also laß ich mich immer mehr ein und entdeckte, dass ich auch Fehler machte. Ich erkannte zum Beispiel nicht, wann mir die Katze mitteilte, dass sie aufs Klo muss und so auch Malheurs entstanden.

Als dann der erste Impftermin anstand, besuchte uns eine mobile Tierärztin zuhause. Im Leben hätte ich es nicht geschafft mit Mammina in einer Box zum Tierarzt zu fahren. Die Tierärztin war super. Sie hatte schon viel mit Auslandstieren zusammen gearbeitet und konnte mir tolle Tipps geben. Unter anderem verschrieb sie uns ein homöopathisches Mittel, das hilft, Traumata bei Katzen zu lösen. Dieses Mittel gab ich in Tropfenform einmalig auf Mamminas Essen, das sie auch brav abends in Ruhe aufschlabberte.

Ich hätte es nie für möglich gehalten

Ich war den Tränen nahe, als Mammina zwei Tage nach der homöopathischen Gabe, aus ihrem Versteck hervor kroch, während ich tagsüber im Wohnzimmer war. Klar, sie war ängstlich, aber sie versteckte sich nicht mehr! Sie setzte sich (leicht verkrampft) auf einen Hocker und beobachtete mich. Da wusste ich, wir kriegen das hin!

Ich war so erstaunt, was man mit Geduld und dem nötigen Wissen alles erreichen kann. Schon zu diesem Zeitpunkt. Also setzte ich mich an meinen Laptop und forschte nach, was  für Möglichkeiten es gab, mich selbst in dieser Richtung zu bilden.

Fortschritte

Von da an wurde es von Tag zu Tag und Woche zu Woche besser. Mammina traute sich immer mehr in meine Nähe und hielt sich sichtbar im Raum auf, wenn wir da waren. Wir öffneten die ganze Wohnung für sie und sie erkundete  alles sehr zögerlich. Wenn sie Puschi sah, tackelte sie ihm sofort hinterher. Puschi allerdings hatte weniger Interesse an ihr. Zu sehr hing dieser Angstgeruch noch an ihr, der für ihn wohl sehr unangenehm war. Auch Shadow ließ sich ab und an blicken, an ihr hatte Mammina aber weniger Interesse.

Irgendwann stand ich in meinem Arbeitszimmer und Mammina kam zu mir und strich um meine Beine. Ich musste vor Rührung weinen. Dass sie das mal machen würde, hätte ich nie niemals geglaubt. Eine Woche später durfte ich sie streicheln. Nicht lange, aber immerhin. Ihr Fell fühlte sich genau so samtig an, wie ich es mir immer vorgestellt habe.

Freigang

Schließlich war es so weit. Mammina kannte ihr ganzes Leben lang nur das Leben in der Freiheit. Und das wollten wir und der Tierschutz ihr unbedingt wieder ermöglichen. Also beschlossen wir gemeinsam, dass Mammina so weit war.

Wir öffneten ihr also die Terrassentüre und sie blickte zögerlich nach außen. Die Terrasse hatte sie vorher schon Wochen und Monate von ihrem Fensterplatz im Wohnzimmer ausgespäht. Ein paar Schritte nach Außen und schwups war sie weg. Sch***e!!! Damit hätte ich nicht gerechnet. Wir warteten ein bisschen uns suchten wo sie sein könnte, doch keine Spur von Mammina.

Ich machte mir wirklich die allergrößten Vorwürfe! Haben wir sie zu früh rausgelassen? Habe ich etwas falsch gemacht? Was ist, wenn ihr was passiert? Was ist, wenn sie nie wieder kommt?

Die freundliche Dame vom Tierschutz, die ich natürlich gleich informierte, versuchte mich zu beruhigen und gab mir zwei Tipps. 1. ihr abends Essen auf die Terrasse zu stellen und 2. falls sie wieder kommt und durch die offene Tür rein geht, die Katze in Ruhe lassen und vor allem die Türe offen lassen, ihr zeigen, dass sie nicht wieder eingesperrt wird. (ganz wichtig bei einer ehemaligen Straßenkatze)

5 Tage voller Angst

Ich kann euch sagen, das waren schlimme Tage für mich! Ich suchte Mammina und suchte… aber ich fand sie nicht. Am dritten Tag erzählten uns unsere Nachbarn, dass sie sie abends weiter vorne in der Straße gesehen hätten. Ich war ein wenig erleichtert, sie war wohl noch in der Nähe.

Dann kamen wir auf die Idee, eine Nachtsichtkamera aufzustellen. Die beste Entscheidung sage ich euch! Als wir die Bilder am nächsten Tag ansahen, bemerkten wir, dass sich Mammina nur wenige Meter von unserem Haus ein Quartier in einem Stapel von Styroporboxen in der Gartenbaufirma nebenan eingerichtet hatte. Ich war wirklich super erleichtert, dass sie hier geblieben war!

Und dann, am Abend des fünften Tages, kam sie, wohl vom Hunger getrieben, plötzlich auf die Terrasse und ging zu ihrem früheren Futterplatz. Die Tür stand offen und sie konnte einfach hinein gehen. Sie schlug sich den Bauch voll und verschwand wieder. Am Tag darauf das gleiche.

Und plötzlich war das Eis gebrochen! Sie merkte, dass sie bei uns rein und raus kann wie sie möchte, dass sie nicht “gefangen” gehalten wird und sie bei uns zu Essen bekommt.

Der siebte Tag nach dem Verschwinden

Am siebten Tag nach ihrem Verschwinden entstand dann dieses Foto hier. Mammina war angekommen. Bei uns, bei Puschi, in ihrem neuen Leben. Ich war der glücklichste Mensch der Welt sage ich euch!

katzentherapeut

Irgendwas hat bei ihr den Schalter umgelegt und es wurde von Tag zu Tag besser. Sie ließ sich streicheln, schlief auch gerne innen in der Wohnung und spazierte herein und heraus wann immer sie wollte.

Das Leben als Straßenkatze ist passé

Voller Freude über Mamminas wundervolle Entwicklung, machte ich schöne Fotos von ihr und schickte diese zusammen mit einem Text über Mammina dem Tierschutzverein. Meine Ansprechpartnerin freute sich riesig und bedankte sich bei mir. Sie schrieb, dass mit dem schönen Text und den tollen Fotos von Mammina bestimmt schnell gute Adoptionsanfragen für Mammina eintrudeln werden.

Da zerriss es mir das Herz. Und eigentlich wusste ich es schon damals, als sie mit ihrem Köpfchen über die Sofalehne blickte. “Diese Katze gibst du nie wieder her!”

Und so kam es, dass ich mit meiner ersten Pflegekatze gleich zur Pflegestellenversagerin wurde. So nennt man Pflegestellen scherzhaft, die ihre Pfleglinge behalten.

Verhaltenstherapeutin für Katzen

Während ich mich schließlich entschied, ein Fernstudium zur Verhaltenstherapeutin und Psychologin für Katzen zu absolvieren (das ich mittlerweile erfolgreich abgeschlossen habe, yay!), intensivierte sich die Beziehung zwischen Mammina und mir immer mehr. Sie machte Woche für Woche tolle Fortschritte.

Schritt für Schritt

Fortschritte, das bedeutet für mich peu a peu mehr Zutrauen und mehr Vertrauen. Irgendwann legte sich Mammina auf einen Hocker neben dem Sofa im Wohnzimmer, während ich auf dem Sofa lag und ließ sich von mir Streicheln. Irgendwann traute sie sich aufs Sofa, während ich darauf saß und irgendwann kuschelte sie sich plötzlich auf mich, während ich auf dem Sofa lag. Wer uns auf Instagram folgt, der weiß, dass das gemeinsame abendliche Kuscheln bei uns mittlerweile zur liebevollen Routine geworden ist.

Ich würde sagen, Mammina vertraut mir mittlerweile zu 99% (100% klingt doch kitschig haha). Sie lässt sich von mir in den Arm nehmen, sie sucht bei mir Schutz, sie tackelt mir hinterher. Sie weiß, ich beschütze sie, obwohl sie das eigentlich selbst ziemlich gut kann. Aber zwischen uns, da ist irgendwas. Ich würde sagen, eine Verbindung fürs Leben.

Wow

Es ist nicht nur so, dass ich anfangs niemals für möglich gehalten hätte, dass sich Mammina einmal zu solch einer Schmusekatze entwickeln würde. Es ist auch so, dass ich mich durch sie verändert habe. Ja, meine Katzen und allen voran Mammina, haben mir gezeigt, was mich wirklich erfüllt im Leben. Es macht mich einfach glücklich, mich für Tiere (im speziellen für Katzen) einzusetzen. Ich brauche diesen Modezirkus von damals nicht. Ich brauche auch keinen Luxus. Meine Zufriedenheit resultiert daraus, mich für Katzen einzusetzen und Katzen und ihren Haltern (euch), zu helfen. Denn eines weiß ich heute, es gibt fast nichts, was man mit Liebe, Geduld und Wissen nicht ändern kann.

Mammina hat heute immer noch Angst vor fremden Menschen, aber meinem Mann und mir schenkt sie all ihre Liebe. Und der Rest… wer weiß… meine kleine Italienerin ist immer für Überraschungen gut…

Danke!

Auch wenn es manche vielleicht nicht verstehen können, aber ich bin meinen Katzen für ihre Liebe zutiefst dankbar! Und ich danke euch, dass ihr euch diesen langen Text durchgelesen habt. Uff… ich hätte noch so vieles erzählen können, aber dann wäre das hier glaube ich ein Buch geworden…

Gebt eure Katzen nicht auf, wenn sie schwierig werden oder schwierig sind. Holt euch professionellen Rat und informiert euch, man kann so vieles erreichen! Eure Katze wird es euch später doppelt und dreifach zurück geben

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