Die Kastrationspflicht für Freigänger-Katzen ist ein viel diskutiertes Thema. Ich kann verstehen, warum viele ihre Katzen nicht kastrieren lassen wollen. Katzenbabys sind schließlich zuckersüß! Wenn man jedoch einmal das Leid von Freigänger-Katzen erlebt hat, die kein stetiges Zuhause haben, so kann man vielleicht verstehen, warum sich viele Tierschützer für eine allgemeine Kastrationspflicht aussprechen. Heute möchte ich ein paar meiner Gedanken dazu niederschreiben.

Kastrationspflicht für Freigänger-Katzen

Meine erste Erfahrung mit Streuner-Katzen

Zum ersten mal kam ich mit Streunern im Alter von etwa sechs Jahren in Kontakt. Es war schon dunkel außen, aber ein seltsames Geräusch – ja Schreie – hielten uns wach. Wir gingen raus um zu sehen, wo dieses Geräusch her kam. Vor unserem Haus hatten meine Eltern Brennholz an der Wand gestapelt. Was wir dahinter entdeckten? Eine Katzenmami, die gerade ihre Kitten bekam. Ein wahrlich rührender Anblick! Die Katzenmami war eine Streunerin. Wir nahmen uns der Mami und einem ihrer Kitten an. Die anderen konnten wir damals in liebevolle Zuhause vermitteln. Manchmal frage ich mich, was passiert wäre, wenn die Katze ihre Kitten nicht direkt vor unserem Haus geboren hätte…

Unserer Nachbarin war damals schon klar, dass etwas gegen das Leid, das oft mit Streunern einhergeht, getan werden musste. Nach und nach schaffte sie es, alle Streuner in der Gegend kastrieren zu lassen. Das war also das erste und letzte mal, dass es bei uns Katzennachwuchs gab. Damals, als junges Kind, wusste ich noch gar nicht, was das alles zu bedeuten hatte.

Meine zweite Erfahrung mit Streuner-Katzen

Meine zweite Erfahrung mit Streuner-Katzen hatte ich im Italienurlaub. Obwohl es auch sehr traurig war, war diese Erfahrung zeitgleich eine der rührendsten meines Lebens.

Wie so viele Katzen-Fans, kann auch ich im Urlaub nicht ganz ohne Katze. Seit Jahren fahren mein Mann und ich einmal im Jahr in das gleiche Häuschen in die Toskana. In Italien gibt es unheimlich viele Streuner-Katzen. Die meisten davon, wie so oft, unkastriert.

Vor Ort gibt es eine wunderschöne Schildpatt-Dame, wir haben sie Chico getauft. Jahr für Jahr verbringt sie unsere Urlaubswoche mit uns. Sie schläft auf den Stühlen vor dem Häuschen, bekommt von uns Futter wenn wir da sind und ganz viele Streicheleinheiten. Bei unserem zweiten Urlaub dort, hörten wir, das Chico gerade ganz jungen Nachwuchs hätte. Gesehen haben wir ihre Kitten nie, sie hat sie ziemlich gut versteckt. An unserem letzten Urlaubsabend hörte ich abends ein ganz lautes Schreien und Viepen vor der Tür. Ich öffnete sie und sah Chico mit einem ihren Kitten im Maul. Sie hatte sie uns gebracht. Bis heute weiß ich nicht warum. Wollte sie es uns zeigen? Oder wusste sie, dass wir ihr helfen können?

 

Das kleine roten Kitten war schätzungsweise gerade mal vier Wochen alt, ganz hilflos. Ich wusste, ich war sein erster Menschenkontakt, also war ich zurückhaltend und gab ihnen einfach zu fressen. Das kleine Kitten stellte sich auf den Teller und aß gierig los. Sie verbrachten die ganze Nacht bei uns. Danach habe ich es nie wieder gesehen…

Seither heißt es für uns jeden Urlaub dort, Chico uns ihren Nachwuchs zu versorgen. Das letzte mal als wir dort waren, trafen wir sogar noch zwei Generationen von Nachwuchs an. Ich will mir gar nicht vorstellen, welch Strapazen das für Chico sein müssen. Dabei könnte man ihr und ihrem Nachwuchs so viel Leid ersparen. Mit einer Kastration.

Meine dritte Erfahrung mit Streuner-Katzen

Das Problem mit immer gebärenden Katzen gibt es nicht nur in Italien, nein, wir haben es auch hier vor Ort. Entfernte Nachbarn von uns haben vor einigen Jahren eine Katzen-Gruppe aus dem Urlaub mit nach Hause gebracht, lassen diese frei herumlaufen, aber nicht kastrieren. Jedes Jahr gibt es 2x im Jahr Nachwuchs. Natürlich auch untereinander. Dieser wird dann teilweise verkauft, oder er bleibt einfach hier und gebärt auch bald viele, viele Katzenkinder.

Unkastrierte Katzen, haben ein viel größeres Revier, als kastrierte Katzen. Das bedeutet ebenfalls, das sie beim Rundgang durch ihr Revier viel größere Gefahren eingehen. Viele davon enden mit dem Tod.

Da unkastrierte Kater außerdem auch selten andere Kater in ihrem Revier dulden, kommt es oft zu richtigen Machtkämpfen unter den Katern. Mein Puschi kann ein Lied davon singen, zu oft ist er schon zum Opfer eines unkastrierten Katers geworden. Von diesen Kämpfen trug er teilweise schon so schlimme Verletzungen davon, dass diese mit Antibiotika behandelt werden mussten.

Meine Meinung zur Kastrationspflicht für Freigänger-Katzen

All diese Erfahrungen lassen mich eigentlich nur zu einem Schluss kommen. So viel Leid könnte vermieden werden, würde man eine allgemeine Kastrationspflicht für Freigänger-Katzen einführen. Ich weiß, Nachwuchs ist super süß, aber nicht das Leid, dass einfach zu oft mit einhergeht.

Jedes Jahr werden die Tierheime überfüllt, weil sie wahnsinnig viele Kitten, die meist von Katzen stammen, die Freigang genießen und sich dadurch ungehindert fortpflanzen konnten, aufnehmen müssen. Jedes Jahr sterben zu viele Katzen, während sie den Drang verspüren, ihr großes Revier unter vielen Gefahren zu durchstreifen. Jedes Jahr sterben Katzen, die sich bei Kämpfen mit dominanten, unkastrierten Katzen/Katern lebensgefährlich verletzen.

In Deutschland gibt es schätzungsweise zwei Millionen Streunerkatzen. Aus einer Katzenpaarung entstehen in fünf Jahren circa 12.600 Nachkömmlinge. Auf Bauernhöfen, in Industriegebieten, in Hinterhöfen, in Wäldern. Das Leid ist oft versteckt und deshalb nicht bekannt oder bewusst. Wer dieses Leid stoppen kann? Wir!

Hier habe ich euch eine Liste verlinkt, in welchen Städten Deutschlands es mittlerweile die Kastrationspflicht für Freigänger-Katzen gibt. Ich stehe mit dem verlinkten Verein nicht in Verbindung, ich halte die Information lediglich für interessant.

Lasst mich sehr gerne wissen, wie ihr zu diesem Thema steht!

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